(W)einblicke #6: Geheimtipp Südburgenland
Neusiedlersee und Burgenländerwitze – so lauten wohl die ersten Assoziationen, die viele (der Wiener) in Bezug auf das südöstliche Bundesland Burgenland haben. Auch der önologische Horizont endet oftmals im Gebiet rund um den Neusiedlersee mit den zahlreichen dort ansässigen namhaften Spitzenwinzern. Das Südburgenland hingegen bleibt oftmals jedoch unter der Wahrnehmungsschwelle touristischer und weingetriebener Ambitionen.
Zu Unrecht. Zum einen handelt es sich um einen herrlich ruhigen, um nicht zu sagen verlassenen, Flecken Ostösterreichs. Das mag für viele abschreckend wirken, all jene, die jedoch einen Ort der Entschleunigung und Entspannung suchen, werden hier fündig. So kann man sich in eines der wunderhübschen, direkt in den Weinhängen gelegenen Kellerstöckel einmieten, die beispielsweise vom Schauspieler und Winzer Martin Weinek und seiner Frau Eva liebevoll renoviert und für günstiges Geld wohnbar gemacht wurden (http://www.weinek-wein.at).
Weinmäßig befindet man sich in der Uhudler-Gegend. Benannt nach dem stark säurebetonten, hellroten Wein aus Reblaus-resistenten US-Trauben, der sehr intensiv an Walderdbeeren erinnert. War der Uhudler lange Zeit verboten und als verrücktmachend verschrien, wird er heute in oft gar nicht übler Qualität produziert und taugt ganz gut als erfrischender Sommerwein oder in Form von Frizzante als Aperitif.
Doch das Südburgenland hat auch richtigen Wein. Und was für einen. Und dazu noch recht günstig. Denn diese Weingegend verfügt mit dem Eisenberg über eine tolle Blaufränkisch-Region, die seit kurzem auch standardisierte Qualitätsstufen in Eisenberg DAC und Eisenberg DAC Reserve hervorbringt. Gekennzeichnet sind die dortigen Kreszenzen von einer besonders mineralischen Würze, die einen sehr sorten-, aber auch regionaltypischen Blaufränkischen darstellen.
Ausgeschenkt werden die Weine sehr oft in urgemütlichen Buschenschanken, die durchwegs gute Qualität bieten. So auch beim Weingut Wachter-Wiesler in Deutsch-Schützen (http://www.wachter-wiesler.at) . Hier kann man auch schon mal in die glückliche Lage geraten, vom Franz Wachter und seinem Sohn Christoph (der schon seinen eigenen Wein keltert) persönlich durch den Keller geführt zu werden und Fassproben oder beeindruckende reifere Jahrgänge verkosten zu dürfen. Regionaltypisch findet sich im dortigen Weinsortiment der Blaufränkische gleich in vier Qualitätsstufen, wobei der „Pfarrweingarten“ als sehr schöner Vertreter seiner Art hervorgehoben werden soll. Dass das Südburgenland auch noch anderes bieten kann, beweist Wachter-Wiesler mit seiner Cuvée „Julia“, mit der man leicht unter Weinkennern Eindruck schinden kann (wohl kaum jemand würde diesen Tropfen dem Südburgenland zuschreiben).
Insgesamt also eine überaus erholsame Gegend, mit freundlichen Leuten und guten Weinen. Was braucht man da schon mehr?





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